Von der Kunst des Weglassens
„Ein Foto kann als minimalistisch gelten, wenn der Fotograf mit der Absicht der Vereinfachung alles Überflüssige ausschließt und nur das Wesentliche ins Bild rückt.“ Dennis Dubesset
Minimalistische Fotos leben also von der Kunst des Weglassens:
- Wenig Elemente im Bild
Die Hauptidee von Minimalismus ist zum einen zu versuchen, ein Bild einfach mit wenigen Elementen zu gestalten.
- Impulse für Betrachter
Zum anderen soll das Bild aber dennoch einen Inhalt haben, dessen tiefere Bedeutung der Betrachter sich durch eigene Interpretationen erschließen kann. Ihm können einzelne Gedanken in den Sinn kommen bis hin zu einer eigenen Geschichte.
Wirkung hängt von Phantasie der Betrachter ab
Es kann durch die Weglassen ein vermeintlich unvollständiges Bild entstehen. Ein minimalistisches Foto ist folglich ein Bild, das in der Phantasie des Betrachters vervollständigt wird.
Daher kann eine minimalistische Fotografie auch bei verschiedenen Betrachtern unterschiedliche Wahrnehmungen auslösen - es werden verschiedenste Gefühle hervorgerufen. Gründe dafür sind etwa unterschiedliches Wissen, unterschiedliche persönliche Vorlieben.
Dies führt dazu, dass sich Betrachter nach einem ersten Blick auf das minimalistische Bild nicht weiter angesprochen fühlen oder in einem zweiten Schritt die unterschiedlichsten Gedanken in den Sinn kommen.
Minimalistische Motive findest Du überall
Für minimalistische Fotos muss man nicht weit weg fahren. Es kommt dagegen mehr auf die eigene Fantasie und Vorstellungsgabe an.
Architektonische Elemente können beste Bildmotive ergeben. Aber auch in der Natur sind minimalistische Motive zu finden. Wer genau hinsieht, kann auch zuhause fündig werden. Ein wenig Übung schärft das fotografische Auge.
Gerade am Anfang macht es Sinn, sich auf das Fotografieren einfacher Motive und Szenen zu konzentrieren.
Werde zum Entdecker
Es gibt 2 grundsätzliche Wege, wie ein Motiv für ein (minimalistisches) Bild zustande kommt: Fotograf*in entdeckt das Motiv bei passender Gelegenheit oder sie/er inszeniert ein Motiv nach eigenen Vorstellungen.
Versuche also auf Entdeckung zu gehen, indem Du dabei offen und kreativ bist. Es könnte dabei helfen:
- Überlege, wo minimalistische Motive gefunden werden können, denn man sieht nur was man weiß.
- Mache ein Konzept, wenn Du inszenieren willst.
- Stimme Dich auf die zu erwartenden Motive ein; hierfür hat jede(r) so seine/ihre Vorgehensweise kurzes Abschalten, ein Espresso zur Sensibilisierung ...
- Sei beim Fotografieren achtsam und entdecke.
- Spiele Dich kreativ mit dem Weglassen - zum Beispiel mittels Bildausschnitt, reduzieren Details im Motiv, reduzierten Farben, Lichtstimmung und (Un)Schärfen.
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Minimalismus in der Fotografie - Die Kunst des Weglassens
Die Bild-Komposition ist besonders wichtig, da ein minimalistisches Bild ja nur aus wenigen Elementen besteht. Versuche, deine Bilder so einfach wie möglich zu gestalten. Lasse alle Details in deinen Bildern, die die Botschaft des Bildes nicht unterstützen einfach weg.
Übung macht dabei den Meister. Das gilt auch bei der Suche nach der richtigen Komposition. Ziel ist, die bestmögliche ästhetische Wirkung des minimalistischen Bildes zu erzielen.
Orientierung an der IRIS-Methode
Wir haben im Club die IRIS-Methode für eine systematische Bildgestaltung. Im folgenden Bild wird aufgezeigt, was beim jeweiligen Gestaltungsmittel wichtig wäre, um das Bild minimalistischer zu machen:

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Ein mehr technik-orientierter Blickwinkel
Nicht nur gestalterische Hilfsmittel helfen bei der Minimalisierung, sondern auch die Fototechnik. Dazu seien Tipps von Nora Ehrike angeführt:
https://foto-paletti.de/allgemein/wie-funktioniert-minimalismus-in-fotografie/
- Wähle dein Hauptmotiv so aus, dass es das Bild dominiert, markant und kontrastreich ist.
- Verwende die Zoomfunktion deiner Kamera, um Details um dein Hauptmotiv herum auszublenden.
- Minimalistische Bilder müssen nicht unbedingt Schwarz-/Weiß-Aufnahmen sein. Aber die Reduzierung auf Grautöne oder S/W hilft dabei, eine größtmögliche Einfachheit zu erreichen.
- Spiele mit Licht und Schatten, mit Übergängen und Kontrasten
- Spiele mit der Tiefenschärfe (und Bewegungsunschärfe). Sie verleiht deinem Hauptmotiv die entsprechende Würde und Dominanz.
- Eine komplett geöffnete Blende und die Fokussierung auf dein Hauptmotiv im Vordergrund bewirkt, dass Details im Hintergrund verschwimmen – ein oft gewollter Effekt bei einem minimalistischen Foto.
- Oftmals lässt sich aus einem „normalen“ Foto im Nachhinein mit Bildbearbeitungssoftware ein minimalistisches Bild gestalten, indem man den Bildausschnitt weise wählt.
- Auch das Zeigen eines kleinen Objekts in einem Weitwinkelbereich kann ein für den Fotominimalismus optimales Raumgefühl vermitteln.
Zu einfach ist langweilig
Minimalistische Bilder sollten mehr als nur schön anzuschauen sein. Minimalismus ist ein schmaler Grat. Zu wenig ist oft auch schlichtwegs nur langweilig.
Schaffe Spielraum für Interpretationen
Gute minimalistische Bilder erzählen uns eventuell eine Geschichte, vermitteln eine Idee oder machen eine schlaue Beobachtung - aber natürlich mit so wenig Elementen wie möglich.
Bei minimalen Motiven ist oft nicht alles vollständig dargestellt. Es bleibt ein Spielraum für eigene Interpretationen. Das Bild sollte uns etwas sagen oder zum Nachdenken geben.
Das "gewisse Extra"
Bei einem minimalistischen Bild besteht die Schwierigkeit darin, mit den wenigen Elementen Emotionen beim Betrachter zu wecken. Dazu sollte das Bild das "gewisse Extra" aufweisen. Dadurch wird "Liebe" auf den ersten Blick geweckt, entsteht also bei Betrachter*in die Bereitschaft, sich mit dem Bild näher zu beschäftigen.
Dies ist das i-Tüpferl und zugleich auch der schwierigste Teil, durch welchen das Foto eine unterschwellige Ausstrahlung (eine "Aura") bekommt. Diese löst beim Betrachter eine emotionale Wirkung wie Wohlgefühl oder etwas Anregendes aus.
Die Wirkung des Einfachen
Was macht nun den Reiz minimalistischer Fotografie aus? Es ist vor allem diese Leere, Einfachheit des Bildes, dieser Raum, worin die Gedanken und Gefühle des Bildbetrachters sich bewegen können.
Der Fotograf zeigt also weniger und erlaubt den Betrachter mehr zu sehen. Es ist Platz da für dessen eigene Interpretation des Motivs. Der Fotograf setzt dazu nur den Impuls für eigene Gefühle, welche überwiegend angenehme sind.
Ideen zur Steigerung der emotionalen Wirkung
Wer die emotionelle Wirkung eines Bildes steigern will, kann dies neben der ästhetischen Gestaltung insbesondere mit
- Licht: Licht macht Normales zu etwas Magischem. Überbelichtung oder Unterbelichtung führt zum Verlust von Details;
- Unschärfen: Unschärfen reduzieren Details, lassen Fragen offen, verlangen Auseinandersetzung;
- Farben: Farben sprechen erlernte Denk-/Gefühlsmuster an; z.B. Schwarz ist Trauer in Europa. Hellblau ist Farbe für männliche Babies. Blau ist Farbe des Himmels, der Weite …
Den Bildinhalt auf das Wesentliche zu reduzieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Fotografen. Die konsequenteste Form dieses Ansatzes ist der Minimalismus, die Reduktion auf die Essenz eines Bildes bis hin zur Abstraktion. Insofern sind die Grundsätze der Minimalistischen Fotografie für unsere Fotografie wichtig.
Holger Nimtz meint: "Wer Freude an der minimalistischen Fotografie findet, wird merken, dass sie nachhaltige Einflüsse auf die gesamte persönliche Fotografie ausstrahlt - Bildkreation und Aufgeräumtheit der Bilder werden maßgeblich beeinflusst. So ist der Minimalismus eine gute Übung für die Entwicklung der eigenen Fotografie."