Besonderes ist Anders als das Übliche
Eine Fotografie wird ein Kunstwerk, wenn aus der Auseinandersetzung mit inhaltlichen und formalen Anliegen etwas Besonderes entsteht.
Etwas ist besonders, wenn es vom Üblichen abweicht und etwa Folgendes geschaffen wird:
- Bekanntes mit neuer Qualität
und dafür Bisheriges außergewöhnlich gut erbracht wird oder bekannte Bildelemente neu kombiniert werden
- Neues in der Wirkung, Interpretationsmöglichkeit
und dafür völlig Neues, Unbekanntes bzw. wenig Bekanntes gezeigt wird
- Abweichung von Normen / Regeln
und dafür Zustimmung oder Ablehnung ausgelöst wird
Ein künstlerisches Foto ist nicht so sehr eine sachgerechte Aufnahme, sondern stellt etwas Besonderes aus inhaltlicher, emotionaler, gestalterischer und/oder technisch-handwerklicher Sicht dar.
Egal, ob man die Realität möglichst gelungen abbilden will oder künstlerische Ansprüche erhebt - eine Fotografie ist gelungen und ist etwas Besonderes, wenn es die gestellten Anforderungen bestmöglich erfüllt oder übertrifft. Was sind die zu beachtenden Anforderungen ? Und wessen Anforderungen ?
Was sollte im Foto besonders sein ?
Mit der IRIS-Methodik entstand im Club ein Ansatz, welcher Anforderungsbereiche definiert, die ein besonderes Foto erfüllen sollte. An Stelle einer ausführlichen Beschreibung der Methodik soll hier nur eine Grafik einen Überblick geben. Für tiefergehende Information sei auf eine Seite des Camera-Clubs verwiesen ... mehr zu IRIS.

Anforderungen / Erwartungen an das Besondere kommen vom Betrachter
Im einfachsten Fall ist man als Fotograf*in alleine der Betrachter, weil das Foto keinem anderen gezeigt wird. Wird dieses jedoch anderen gezeigt, dann kommen zu den eigenen Anforderungen auch die Anforderungen / Erwartungen der anderen Betrachter hinzu.
Wer bei anderen mit seinen besonderen Fotos die gewünschte Resonanz erzielen will, muss das beachten. Ob ein Foto als künstlerisches Foto (an)erkannt wird, hängt auch vom Betrachter ab.
Anforderungen des Betrachters sind nicht zwingend fest vorgegeben
Anforderungen / Erwartungen von bestimmten Betrachtern mögen im ersten Moment fest vorgegeben sein. Wenn einem diese Personen wichtig und deren Erwartungen anders als die eigenen Vorstellungen sind, sind Versuche angebracht, diese Personen über das eigene Anliegen zu informieren und für sich zu gewinnen.
Ansonsten zeigt man seine Werke dem Personenkreis, der die Werke versteht oder sie kennenlernen will.
Anforderungen sind auch auf vom Zeitgeist abhängig, können sich also mittel- bis langfristig ändern.
Überblick
Künstlerische Fotografie legt den Schwerpunkt auf die kreative Nutzung des Mediums Fotografie mit der Absicht, ein persönliches Anliegen (konkretes Thema oder die Interpretation eines Momentes) so künstlerisch wertvoll als nur möglich visuell darzustellen. Hilfreich kann dabei eine Methode wie IRIS sein.
Nicht die objektive, dokumentarische Abbildung einer vermeintlichen Realität wird in erster Linie mit der künstlerischen Fotografie angestrebt. Stattdessen geht es um die offene und kreative persönliche Sichtweise und deren Umsetzung. Fotos sind dabei quasi der Rohstoff für besondere Bilder.
Oberstes Ziel der künstlerischen Fotografie:
Auseinandersetzung mit persönlichen inhaltlichen oder formalen Anliegen
Als künstlerische Fotografie, Fotokunst oder Kunstfotografie werden - gemäß Wikipedia - Anwendungen fotografischer Mittel bezeichnet, bei denen ein inhaltliches oder formales Anliegen ausgedrückt werden soll. Man spricht auch von „konzeptioneller Fotografie“, also einer bewussten Herangehensweise an eine fotografische Arbeit, um z. B. das Verhältnis zur Wirklichkeit zu verändern und eine Botschaft, eine Aussage des Fotografen zu vermitteln. Teilbereiche sind u. a. die experimentelle Fotografie, die impressionistische Fotografie und die surreale Fotografie.
Im Sinne der IRIS-Methodik kennzeichnen der Bereich "Aussage, Idee" inhaltliche Anliegen und die Bereiche "Technik" und "Gestaltung" formale Anliegen.
Künstlerische Fotografie - mehr als ein perfektes Abbilden der Realität
Die Frage, ab wann von künstlerischer Fotografie gesprochen werden kann, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Eine möglichst perfekte Darstellung eines Objektes / einer Person / einer Szenerie in einem Foto ergibt noch keine Kunst, sondern ist perfekte Handwerksarbeit.
Die Kunstfotografie (=künstlerische Fotografie) legt dagegen ihren Schwerpunkt auf die kreative Nutzung des Mediums Fotografie mit der Absicht, ein konkretes Thema oder die Interpretation eines Momentes so künstlerisch wertvoll als nur möglich visuell darzustellen.
Oft sind es vor allem die Emotionen, die ein Bild beim Betrachter hervorruft, die darüber entscheiden, ob etwas für ihn einen künstlerischen - vor allem aber ideellen - Wert besitzt.
Eine weitergehende Sicht auf Künstlerische Fotografie mit Ansprüchen, die nicht alle im Bereich unserer Ziele liegen, findet Ihr in einer Ausarbeitung von Peter Kagerer zu der Frage "Wann ist Fotografie Kunst ?"; ... zur Ausarbeitung
Beispiele, erstellt von einem Hobbyfotografen, in Richtung künstlerischer Fotografie finden sich auch unter
https://www.ccms.de/gallerien/2012-2-2/p-z/thema-schwarz-weiss-bild-mit-farbe-selective-colouring/guenthers-projekte-mit-selective-colouring/
Aber! Es gibt unterschiedliche Ansichten
Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich der Kunstbegriff; siehe zum Beispiel folgenden FAZ-Artikel
(https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/wie-erklaere-ich-s-meinem-kind/warum-kann-nicht-jeder-moderne-kunst-machen-14907414.html)
Vor Jahrhunderten kam Kunst von Können.
Später entschieden die Museumsexperten, was Kunst ist.
Dann entschieden dies die Künstler selber.
Im letzten Jahrhundert: "Joseph Beuys, der Fetthaufen und lebende Hasen ausstellte, hat gesagt, dass jeder ein Künstler ist. Das hieß nicht, dass jeder gut malen kann, eher: Jeder ist gleich viel wert, jeder soll sich ausdrücken können, und keiner soll darüber entscheiden dürfen, wer mitmachen darf und wer nicht. Man könnte auch sagen: Jeder Mensch ist einzigartig, niemand macht das gleiche." VON KOLJA REICHERT, FAZ
Besonderes präsentieren
Künstlerisches Foto hat technische und gestalterische Eigenschaften, mit denen das Besondere kreativ festgehalten und präsentiert wird. Es stehen dafür die unterschiedlichsten Wege zur Verfügung, mit denen die Eigenschaften des Fotos während Aufnahme, Nachbearbeitung und Erstellung der visuellen Präsentationsmedien festgelegt werden.
Das künstlerische Foto ist das präsentationsreife Bild.

Die kreativen technischen und gestalterischen Eigenschaften eines künstlerisches Bild entstehen schrittweise:
- Sehen
aussagekräftiger Motive im richtigen Moment und bei ansprechendem Licht - spontan oder geplant entsprechend einer Vorgabe
- Visualisieren
der angestrebten Bildidee mittels professioneller Gestaltung und technischer Qualität - während der Aufnahme (Einfangen und Aufzeichnen des Lichts) und anschließender Nachbearbeitung
- Präsentieren
der Aufnahmen durch Fine Art Prints, in Fotobüchern, Web-Auftritten, Ausstellungen und audiovisuellen Schauen - entsprechend der Betrachterinteressen
In jedem Schritt werden die vollen Möglichkeiten des Mediums Fotografie genutzt, um das Besondere im Foto herauszuarbeiten.
Im Bild finden sich aufgrund des engagierten Vorgehen Elemente, welche das persönliche Anliegen, Wissen und Erfahrungen der Fotografin bzw. des Fotografens, seine Bildsprache widerspiegeln.
Meine Meinung: Emotionale Wirkung macht Kunst
Es gibt also Grundeigenschaften, die für ein künstlerisches Fotos wichtig sind. Aber eine klare Regel, wann ein Foto Kunst ist, gibt es nicht.
Hier kommt das IRIS-Kriterium „Emotion“, die emotionale Wirkung des Bildes ins Spiel: Aura ist eine (unterschwellige) Ausstrahlung des Fotos.
Sie ist das Erscheinungsbild (Foto) von Lebewesen (Mensch, Tier, Pflanze) und materiellen Dingen (Bauten, Räume ...), welche aufgrund ihrer Ausstrahlung dem betrachtenden Menschen
- Nutzen (positiv, angenehm) oder Schäden (negativ, unangenehm) erwarten lässt,
- diese dabei aber aufgrund unterschiedlichen Wissens und Erfahrungen durchaus individuell verschieden wahrnehmen lässt, und
- je nach Grad der Empfindungen/Gefühle (Emotionen) dazu bewegt, sich näher mit dem Bildinhalt zu beschäftigen, ggf. eigene Entscheidungen anzupassen oder gar unterzuordnen. Davon wird auch der Wert des Fotos beeinflusst.
Eine Aura kann sich nur entfalten, wenn es Bildbetrachter gibt, das Bild nicht in irgendwelchen Archiven schlummert.
Die Aura fokussiert also nicht auf einzelne sachliche Inhalte des Sujets, sondern auf deren gefühlsmäßige, sprich emotionale Wirkung. Die Aura ist somit eine wichtige Eigenschaft, damit das Foto zur Kunst wird.